Blandine L’Hirondels Rekordsieg beim UTMB: eine Pacing-Meisterleistung

Zwei Jahre nach ihrem 5. Platz beim UTMB kehrte Blandine L’Hirondel mit einem anderen Ansatz zurück an den Start. Ihre COROS-Daten zeigen, wie ihr von Geduld geprägtes Rennen aus 24:35 h eine Bestzeit von 21:54 h machte.

blandine running in chamonix

21 Stunden, 54 Minuten und 49 Sekunden

So lange brauchte Blandine L'Hirondel, um den UTMB 2026 zu absolvieren. Es ist die schnellste je von einer Frau beim UTMB gelaufene Zeit – und macht Blandine zur ersten Frau, die die 22-Stunden-Marke unterbietet.

Um das Ausmaß dieser Leistung vollständig zu verstehen, müssen wir zwei Jahre in die Vergangenheit blicken. 2024 finishte Blandine den UTMB in 24:35:55. Es war eine starke Fünftplatzierung, die ihr wertvolle Informationen darüber lieferte, wie sie das Rennen beim nächsten Mal anders angehen wollte.

Nach einer Verletzung in der Vorbereitung auf den UTMB 2026 wusste Blandine, dass ein zu aggressiver Start die zweite Hälfte ihres Rennens gefährden könnte. Ihre Strategie: anfangs kontrolliert laufen und ihre Leistungsfähigkeit für später aufsparen. Sie identifizierte konkrete Streckenabschnitte, auf denen sie sich verbessern wollte, und führte ihren Plan zur Perfektion aus, indem ihre Zeit um Stunden verbesserte.

Wir haben Blandines COROS-Daten aus ihren UTMB-Leistungen von 2024 und 2026 verglichen, um im Detail zu verstehen, wie sie das hingekriegt hat. Was wir gefunden haben, ist eine Lektion in Pacing, Belastbarkeit und einer der wichtigsten Fähigkeiten im Ausdauersport: zu wissen, wann man seine Kräfte einsetzt.


Blandines UTMB im Detail

Es gibt viele Möglichkeiten, einen Ultramarathon zu analysieren. Die Pace zeigt uns, wie schnell eine Athletin unterwegs war. Die Herzfrequenz gibt Aufschluss über die kardiovaskuläre Beanspruchung. Die Effort Pace hilft dabei, den Einfluss von Geländeveränderungen auf die Laufbelastung zu berücksichtigen. Das Höhenprofil zeigt, was die Strecke von der Athletin verlangte.

Aber keine dieser Metriken erzählt allein die ganze Geschichte. Deshalb haben wir beide UTMB-Leistungen von Blandine in sechs Hauptabschnitte unterteilt und sie einander dann gegenübergestellt.

Da sich der UTMB-Kurs zwischen den Editionen leicht unterscheidet, sollten die Abschnittszeiten nicht in allen Fällen als direkte 1:1-Vergleiche betrachtet werden. Stattdessen verwenden wir Distanz, Höhenmeter, Pace, Effort Pace und Herzfrequenz gemeinsam, um zu verstehen, wie sich Blandines Rennen verändert hat.

Ein Muster sticht dabei sofort hervor: Ihre Herzfrequenz sank in beiden Rennen – jedoch aus zwei völlig unterschiedlichen Gründen.


Start → Les Contamines: zuerst mal Geduld

utmb section 1

Auf den ersten Blick sehen Blandines Startdaten überraschend ähnlich aus. Die durchschnittliche Herzfrequenz ist identisch, ihre Leistung aber nicht. 2024 erzielte Blandine eine schnellere Effort Pace von 4:55/km. 2026 sank diese auf 5:10/km.

Für sich allein betrachtet ist das normalerweise keine positive Veränderung. Allerdings blieb ihre Herzfrequenz immer in einer niedrigen Zone 3 – und ihr Plan sah exakt das vor. Langsamere Kilometer, besonders bergab, bedeuteten auch weniger Belastung für ihre Beine. So behielt sie wertvolle Kraft, die sie später einsetzen würde. Anders als bei einem Marathon gab es wenig Grund, Blandines UTMB nach 30 km zu beurteilen. Sie hatte schließlich noch mehr als 140 km vor sich.


Les Contamines → Courmayeur: Die Wege trennen sich

utmb section 2

Blandines durchschnittliche Herzfrequenz fiel 2024 um 16 bpm von 150 auf 134 bpm. 2026 sank sie nur um 8 bpm auf 142 bpm und sie war bereits 39 Sekunden pro Kilometer schneller unterwegs als zwei Jahre zuvor am gleichen Punkt.

Dafür gibt es mehrere mögliche Ursachen: Fitness, Bedingungen, Ernährung, muskuläre Ermüdung, Kursunterschiede und Renndynamik können Herzfrequenz und Leistung beeinflussen. Wir können den Unterschied nicht allein auf ihr Pacing zurückführen, aber die Trendwende zu ihren Gunsten war hier bereits sichtbar. Sie holte gegenüber 2024 auf und ihre Herzfrequenz spielte mit. Statt wie 2024 abzufallen, blieb sie erhöht und reaktionsfähig – das erste Zeichen, dass die Geduld in den ersten 30 Kilometern sich auszuzahlen begann.


Courmayeur → Grand Col Ferret: ein spürbarer Unterschied

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Diesen Abschnitt absolvierte Blandine 2026 mehr als 33 Minuten schneller als 2024. Über 22 Kilometer und rund 2.000 Höhenmeter war ihre Effort Pace 53 Sekunden pro Kilometer schneller, und ihre durchschnittliche Herzfrequenz lag 13 bpm höher.

Eine höhere Herzfrequenz ist nicht automatisch besser – sie zu erzwingen wäre eine schlechte Strategie. Hier bedeutet sie allerdings, dass Blandine noch Zugang zu einem kardiovaskulären Output hatte, der 2024 nicht mehr vorhanden war. Wahrscheinlich, weil der schnellere Start jenes Rennens ihn bereits aufgebraucht hatte.

Anstiege sind auch ein Test für die Muskulatur, und Blandines nahezu identische Schrittfrequenz zeigt das. Statt schnellere Schritte zu machen, steckte sie mehr Kraft, die sie in den Courmayeur-Abstiegen gespart hatte, in jeden einzelnen Schritt.


Grand Col Ferret → Champex-Lac: der entscheidende Abschnitt

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Vor dem UTMB 2026 hatte Blandine diesen Abschnitt als jenen identifiziert, der sie 2024 das Podium gekostet hatte. Genauer gesagt, die zweite Hälfte davon: von La Fouly bis Champex-Lac.

Diese Strecke lief sie in 1:22:37, während sie 2024 1:48:54 dafür brauchte. Ein solcher Gewinn so spät im Rennen ist die Rendite auf alles, was sie seit Les Contamines bewusst für später gespart hatte: kardiovaskuläre Reserve und Beinfrische, die jetzt endlich zum Einsatz kamen.


Was die Herzfrequenz zeigt – und was nicht

Über die ersten vier Abschnitte erzählt Blandines durchschnittliche Herzfrequenz ihre eigene Geschichte:

heart rate trends for sections 1-4

Der Abstand zwischen den beiden Rennen wuchs von Abschnitt zu Abschnitt: 0 → +8 → +13 → +15 bpm.

Es liegt nahe, diesen Trend als Ursache für ihren schnelleren Lauf zu sehen, aber das wäre die falsche Schlussfolgerung. Die Herzfrequenz ist die Folge von Dutzenden von Faktoren. Sie verursacht keine Leistung, sie spiegelt sie wider.

Was der Trend zeigt, ist Blandines Absicht. Ein einzelner Abschnitt mit hoher Herzfrequenz könnte ein günstiger Streckenabschnitt sein. Ein Abstand, der sich über drei Abschnitte kontinuierlich aufbaut, ist das Zeichen, dass ein Plan konsequent ausgeführt wird. Blandine hielt sich bewusst zurück, um in den entscheidenden Abschnitten mehr geben zu können. Das ermöglichte es ihr, später härter zu pushen – und ist der Grund, warum sie in der Nacht begann, einen Vorsprung aufzubauen.


Champex-Lac → Trient: alle sind erschöpft

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Die Effort-Pace-Werte sind hier nahezu identisch, während ihre tatsächliche Pace 88 Sek/km schneller war. Die Effort Pace ist eine personalisierte Steigungskorrektur – sie spiegelt also auch wider, wie effizient eine Athletin über dieses spezifische Gelände läuft. Eine gleichbleibende Effort Pace kombiniert mit einer schnelleren tatsächlichen Pace bedeutet, dass Blandine in diesem Geländetyp besser war als 2024.

Es ist auch wichtig festzuhalten, dass das zu erwarten war, obwohl sich die physiologischen Werte annäherten. Nach 15 oder mehr Stunden in einem solchen Rennen ist jede:r erschöpft – Blandine eingeschlossen. Der Unterschied war also nicht, dass sie Erschöpfung komplett vermied. Der Unterschied war, dass sie die Erschöpfung zu den für sie vorteilhaftesten Zeitpunkten zuließ.


Trient → Chamonix: das Finish

utmb finish

Nach mehr als 17 Stunden wartete im letzten Abschnitt nochmals ein Anstieg von über 1.700 Höhenmetern. Über die letzten 5 Stunden blieb Blandines Ausführung jedoch genau auf Kurs mit dem, womit sie sich auf ihren Erfolg vorbereitet hatte. Ein weiterer Gewinn von 37 Minuten gegenüber 2024.

Blandine finishte als erste Frau unter 22 Stunden beim UTMB und ist damit die dritte Athletin der Geschichte, die OCC, CCC und UTMB gewonnen hat. Sie bedankte sich beim Publikum für die Unterstützung und lieferte dabei eine Masterclass in Energieerhaltung und im Einsatz der körperlichen Ressourcen, wenn es am meisten darauf ankommt.


Eine andere Perspektive zu Pacing

Athlet:innen denken beim Pacing oft an ein Tempolimit. Blandines UTMB bietet eine andere Perspektive: Pacing ist Ressourcenallokation. Letztlich hat jede:r Athlet:in eine begrenzte Menge an Energie, muskulärer Kapazität und physiologischem Output zur Verfügung. Die Frage lautet dann nicht „Wie schnell kann ich laufen?", sondern vielmehr: „Wo schafft mein Einsatz den größten Wert?"

Blandine wollte es besser machen als 2024, wo sie Ressourcen zu früh verbraucht hatte. Sie traf die bewusste Entscheidung, ihre Ressourcen zwischen Kilometer 30 und 140 gleichmäßiger zu verteilen. Das Ergebnis spricht für sich: die schnellste Frau, die je diese Strecke gelaufen ist.


3 Dinge, die jede:r Athlet:in von Blandine lernen kann

Und zwar wirklich jede:r Athlet:in, auf jedem Trail:

1. Arbeite mit deinen alten Renndaten

Frag dich nach deinem nächsten Rennen, wo sich deine Leistung zu verändern begann. Wenn die Pace fällt, während die Belastung hoch bleibt, sammelt sich Erschöpfung an. Wenn Pace und Herzfrequenz gemeinsam fallen, könnten dich Ernährung oder muskuläre Ermüdung zurückhalten. Wenn derselbe Anstieg immer wieder Probleme bereitet, hast du eine Trainingslücke identifiziert.

2. Zieh keine voreiligen Schlüsse im Rennen

In den ersten 31–32 Kilometern war Blandines Effort Pace 2026 – bei gleicher Herzfrequenz – tatsächlich langsamer als 2024. Nichts davon deutete auf ein historisches Rennen hin. Beim Grand Col Ferret war sie 53 Sekunden pro Kilometer schneller. Dein Eröffnungssplit zeigt dir nicht, ob dein Pacing funktioniert. Was du später noch leisten kannst, schon.

3. Bewahre deine Entscheidungsfähigkeit

Gutes Pacing wird dich spät im Rennen nicht gut fühlen lassen. Aber es eröffnet dir Möglichkeiten: die Fähigkeit, durch einen Anstieg zu pushen, auf eine:n Mitbewerber:in zu reagieren oder einfach weiterzulaufen, wenn andere nicht mehr können. Blandines Herzfrequenz fiel in beiden Jahren – aber sie hielt einen höheren Output länger aufrecht. Indem sie anfangs bewusst langsamer war, eröffnete sie sich später mehr Handlungsspielraum. Und genau damit gewann sie das Rennen, nicht mit einem einzelnen Split.


COROS-Analyse

Diese Analyse wurde über den COROS Training Hub und die MCP-Integration erstellt. Blandine trug während des gesamten Rennens die APEX 4 46 mm und den COROS Herzfrequenzmonitor – dieselben Tools, die jedem COROS-Athleten und jeder COROS-Athletin zur Verfügung stehen. Herzlichen Glückwunsch an Blandine zu dieser unglaublich starken Rekordleistung – und dafür, dass sie eindrucksvoll bewiesen hat, was geduldiges Pacing über 170 Kilometer bewirken kann.

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